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Intimrasur Von Anfang bis Ende

„Unten ohne!“ Einfach so in aller Öffentlichkeit „unten ohne“ herumlaufen. Was man sich früher nicht so ohne weiteres getraut hätte, ist heutzutage schon fast Mode. Denn egal ob Männlein oder Weiblein: Frisch rasiert an der intimsten Stelle wagen sich heute nur noch wenige Menschen vor die Tür. Doch wer glaubt, Intimrasur gehört zu den Erscheinungen der Neuzeit, der irrt. Schon lange vor der Erfindung des elektrischen Rasierers 1931 durch Jacob Schick war die Entfernung von (Scham-) haaren keine Seltenheit.

Intimrasur im alten Ägypten

Der Wunsch schöne, glatte Haut zu haben, hat die Menschen schon vor Jahrtausenden beschäftigt. Bereits frühe Hochkulturen wie Ägypten sahen einen haarlosen Körper als Schönheitsideal an. Für die Ägypter bedeute dies konkret: Augenbrauen; Körperbehaarung und Schambehaarung. Alles musste weg. Besonders bei der Frau. Selbst auf dem Kopf durfte kein Haar sprießen. Schließlich sollten ja die aufwendigen Perücken bestens zur Geltung kommen. Wo heute überwiegend der Rasierer seinen Dienst als Haarentferner leistet, waren es damals um 4000-3000 v. Chr. Haarentfernungsmittel aus Harzen; Pflanzenextrakten; Eselsfett; Fledermausblut und Pech, die diese „haarige Angelegenheit“ erledigten.

Neben der Ästhetik spielen in dieser Zeit auch praktische Gründe eine Rolle. Durch die schöne glatt rasierte Haut war das Festsetzen von Parasiten nahezu unmöglich.

„Griechische Rasur“

Einige griechische Vasenmalereien belegen es mit ihren Darstellungen von nackten bis auf das Haupthaar unbehaarten Menschen als stille Zeitzeugen noch heute: Auch in Griechenland gab es Zeiten, in denen man sich der Körper- & Intimrasur verschrieb. Die „professionelle Dame“ von damals (um 590 v. Chr.) war geschminkt und trug keinen Bart „unten herum“. Auch für die „einfachen, bürgerlichen Damen“ war es bald eine Selbstverständlichkeit sich u.a. mit Orpiment- einem arsenhaltigen Produkt der Schamhaare zu entledigen.

Die rasieren sich, die Römer

Es klingt schon etwas abstrus für ein Volk, dass sich in vielen blutigen Schlachten geschlagen hat und seine Feinde brutal niedermetzelte. Aber den Römern war Körperpflege ein wichtiges Anliegen. Die berühmten, im großen Stil angelegten Badeanlagen waren ein beliebter Treffpunkt, um seinen Körper etwas Gutes zu tun.

Die Männer zupften sich die Barthaare aus, während die römischen Frauen damit beschäftigt waren mit einer Pinzette Augenbrauen; Bein und Achselhaare sowie teilweise die Schambehaarung auszureißen.

Wem das zu langsam ging bzw. wer nicht so zimperlich war, der bediente sich sandpapierähnlichen Scheiben oder groben Handschuhen und rieb die Haare bis zum gewünschten Resultat ab.

„Orientalische Rasur“

Der Siegeszug der Römer. Irgendwann musste er einmal zu Ende gehen. Doch der Siegeszug der (römischen) Badekultur war mit der Eroberung des antiken Roms noch lang nicht gestoppt. Zwar errichteten die Araber nicht so große und prunkvolle Badeanlagen wie die Römer. Aber dennoch konnte man sich in den Hammams in entspannter und gemütlicher Atmosphäre rasieren oder die Haare färben.

Die Herrscher leisteten sich in ihren Harems sogar einen besonderen Service: Extra ausgebildete Eunuchen verhalfen den Frauen mit ihrer Körper- & Intimrasur zu jugendlicher Frische. Verhüllt in durchsichtigen Seidengewändern galten die Haremsfrauen dann als Inbegriff der Erotik. Aber nicht nur als Haremsfrau hatte man das Glück in den Genuss einer Ganzkörperrasur zu kommen. Dank einer alten, teilweise bis heute noch geltenden Tradition wurde der zukünftigen Braut als Zeichen der Unbeflektheit und Ergebenheit im Rahmen einer Zeremonie einen Tag vor der Hochzeit ihr komplettes Haarkleid -mit Ausnahme von Kopfhaar und Augenbrauen- abgestreift. Zucker und Zitronensaft, vermischt zu einer warmen Paste. Das war das ganze Geheimnis im Orient für einen haarlosen Körper.

Wer grad nur einen faden zur Hand hatte, riss sich mit diesem in schnellen Bewegungen die Haare raus.

Rasieren aus religiösen Gründen

Die Kirche und die Intimrasur. Zwei Welten prallen aufeinander. Seitdem nach dem Ende der Römerzeit das Badewesen allmählich verloren ging, hatten es die Anhänger der Intimrasur schwer ihrer Leidenschaft zu frönen. Die Kirche bekämpfte mit großer Vehemenz jegliche Beschäftigung mit dem eigenen Körper. Erst im frühen Mittelalter, als die ersten Städte entstanden und die Kreuzritter von ihren Kreuzzügen heimkehrten, erlebte die Badekultur einen neuen Aufwind.

Neben diesen weltlichen Anlässen sich wieder seinem Körper zu widmen, gab es aber auch religiöse Hintergründe seinen Körper nicht der Vernachlässigung preiszugeben. Im sich seit dem Mittelalter immer weiter ausbreitenden Islam war Sauberkeit und Körperpflege eine Vorschrift. Die Epilation von Achsel- & Schamhaaren gehörte deshalb für jeden streng gläubigen Moslem zu seinem Glauben.

Mittelalterliche Haarentfernung

„Friseur; Restaurant und Musikstube“ in einem! So kann man sich als Badegast das mittelalterliche Treiben in den Badeanstalten vorstellen. In aller Ruhe konnte man sich im mittelalterlichen Bad die Haare schneiden lassen, Essen reichen lassen und musizieren.

Geschlechterrennung gab es sehr zum Ärger der Kirche keine. Und darum verwundert es natürlich auch nicht, dass die Atmosphäre in Räumen in denen sich Männer und Frauen völlig nackt begegneten immer erotisch aufgeladen war. Eine bessere Art der Kontaktbörse gab es damals kaum. Und viele Frauen legten sich deshalb auch besonders mit einer gepflegten Intimrasur ins Zeug, um den männlichen Besuchern einen makellosen Körper vorzuführen.

Hexenverfolgung leicht gemacht

So schön wie es damals für die meisten Leute war einen rasierter Körper zu haben, so schlimm war es für Personen, die in Hexen-Verdacht geraten waren. Denn das Ausrasieren des ganzen Körper bedeutete meist das Ende der angeblichen Hexen.

Mithilfe der Nadelprobe suchte man gezielt am Körper der Betroffenen nach einem Mal, dass der Teufel hinterlassen haben sollte. Meist ein Leberfleck oder eine Narbe.

Vor einer geifernden Zuschauermenge führte man die Frauen hüllenlos vor Gericht und ließ in einem sadistischen Schauspiel jedes noch so kleine Härchen restlos beseitigen. Für entsprechend veranlagte Perverse war die Folterung des wehrlosen Frauenkörpers die pure Befriedigung ihrer Gelüste. Opfer fanden sich schließlich immer genug. Und das obwohl angebliche Hexen reihenweise auf diese Art dem Tod zugeführt wurden. Denn einen Körper ohne entsprechende Makel gab es schließlich kaum.

Intimrasur heute

Heutzutage braucht es natürlich keine Hexenfolterung mehr, um die bis in die Gegenwart anhaltende Popularität der Intimrasur nachzuweisen. Ein Blick in entsprechende Zeitschriften genügt da meistens schon. Waren in den 60er Jahren mit der Entstehung der Hippie Bewegung lange Haare im Übermaß an allen Stellen noch „normal“, so ist es mittlerweile in erster Linie den Medien mit ihren Darstellungen des idealen (nackten) weiblichen Körpers zu verdanken, dass der Kult um Intimrasur nicht abreißt.

„Ein bisschen Anpassung an das was alle tun!“ Das ist wohl letztlich die Quintessenz aus der ganzen Geschichte. Das bestätigen auch Jugendzeitschriften wie die BRAVO. Doch ob es nun wesentlich „friedlicher“ als zu Hexenzeiten zugeht, bleibt fraglich. Viele Anhänger der Intimrasur können kein Verständnis für diejenigen aufbringen, die diesem Trend nicht folgen und degradieren sie zu Außenseitern. Dabei ist in Zeiten ausgezeichneter sanitärer Versorgung die Hygiene oft nur ein vorgeschobenes Argument für eine empfohlene Intimrasur. Vielmehr fühlen sich die Anhänger der Intimrasur einfach oft nur sauberer als es tatsächlich zu sein.

Aber selbst wenn eines Tages alle an der pikantesten Stelle gleich aussehen sollten. Irgendwie bleibt doch jeder einzigartig.


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